Die Folge über das Mikrobiom zeigte, welche Mitbewohner dein Körper duldet. Diese Folge zeigt, wie er Eindringlinge erkennt und bekämpft und warum er dafür manchmal das Fieber hochdreht. Dieser Artikel begleitet die Folge „Fieber ist eine Entscheidung“ und ordnet ein, was belegt ist und wo das Video vereinfacht.

Das Wichtigste zuerst

  • Zuerst greifen Fresszellen ein, die typische Muster von Erregern erkennen. Die gezielte Abwehr aus T- und B-Zellen braucht bei einem neuen Erreger mehrere Tage.
  • Fieber entsteht, weil Botenstoffe der Abwehr im Hypothalamus den Sollwert der Körpertemperatur höher stellen. Das kostet Energie, bremst manche Erreger und macht Abwehrzellen aktiver.
  • Gedächtniszellen sorgen dafür, dass die Abwehr beim zweiten Kontakt schneller reagiert. Eine Impfung legt dieses Gedächtnis an, ohne dass man die Krankheit durchmachen muss.
  • Im Thymus fallen die meisten jungen T-Zellen durch die Auslese. Versagt die Unterscheidung von eigen und fremd trotzdem, kann eine Autoimmunerkrankung entstehen; regulatorische T-Zellen bremsen solche Fehlalarme.

Freund oder Feind

Die Folge beginnt mit der Kernfrage: Gehört das zu dir, oder muss das weg? Nach Schätzungen des Weizmann-Instituts besteht ein erwachsener Mensch aus rund 30 Billionen eigenen Zellen. Bewacht werden sie von etwa 1,8 Billionen Immunzellen, die zusammen rund 1,2 Kilogramm wiegen.

Die Folge sortiert alles, was im Körper unterwegs ist, in vier Fächer: eigen und gut, fremd und gut, fremd und schlecht, eigen und schlecht. Das vereinfacht, trifft die Aufgaben aber gut. Darmbakterien sind fremd und werden geduldet, Viren und krankmachende Bakterien werden bekämpft. Am schwierigsten sind entartete Körperzellen, weil sie von innen kommen; nach ihnen suchen unter anderem natürliche Killerzellen.

Die Abwehr in Zahlen

≈ 1,8 Bio.Immunzellen

zusammen rund 1,2 Kilogramm, bei etwa 30 Billionen Körperzellen

10–12,5 %mehr Energie

braucht der Körper für jedes Grad Fieber

≈ 8 Std.Verdopplungszeit

von Killer-T-Zellen in der Aufbauphase, gemessen an Mäusen

≤ 5 %der jungen T-Zellen

bestehen die Auslese im Thymus

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Die erste Minute: Fresszellen

Kommt ein Erreger durch Haut oder Schleimhaut, trifft er zuerst auf die angeborene Abwehr. Makrophagen sitzen in fast allen Geweben, Neutrophile kommen aus dem Blut dazu. Diese Fresszellen brauchen kein genaues Feindbild. Sie erkennen typische Muster von Erregern, etwa Bestandteile bakterieller Zellwände oder das Erbgut von Viren, machen die Eindringlinge unschädlich und locken mit Botenstoffen weitere Abwehrzellen an.

Die Folge nennt die Fresszellen Wächter. Allein von den Neutrophilen bildet das Knochenmark jeden Tag 50 bis 100 Milliarden neue.

Fieber auf Bestellung

Einige Botenstoffe der Fresszellen wirken im Gehirn. Interleukin-1 und Interleukin-6 sorgen im Hypothalamus dafür, dass Prostaglandin E2 entsteht, und das stellt den Sollwert der Körpertemperatur höher. Liegt die Temperatur unter dem neuen Wert, bildet der Körper Wärme und hält sie fest. Deshalb fröstelt man oft, während das Fieber steigt. Bei Erwachsenen spricht man ab 38 Grad von Fieber, ab 39,5 Grad von hohem Fieber.

Billig ist das nicht: Jedes Grad mehr verlangt 10 bis 12,5 Prozent mehr Energieumsatz. Trotzdem gibt es Fieber bei Wirbeltieren seit über 600 Millionen Jahren, und der Nutzen lässt sich messen. Bei 40 bis 41 Grad vermehrte sich das Poliovirus in Zellkultur über 200-mal langsamer, manche Bakterien werden empfindlicher gegen die Abwehrstoffe im Blut. Neutrophile wandern dagegen stärker ins Gewebe ein, und Lymphozyten gelangen leichter in die Lymphknoten.

Dass man sich dabei elend fühlt, gehört dazu: Die Botenstoffe der Abwehr wirken auch auf das Gehirn und erklären Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und Gliederschmerzen. Mehr ist dabei nicht besser, denn oberhalb des üblichen Fieberbereichs arbeiten Neutrophile wieder schlechter.

Der Späher: die dendritische Zelle

Für die gezielte Abwehr braucht es ein Fahndungsfoto, und das bringen dendritische Zellen. Sie sitzen in Haut, Lunge, Darm und anderen Geweben, nehmen dort Proben auf und wandern damit über die Lymphbahnen in den nächsten Lymphknoten. Ihren Namen haben sie von ihren verzweigten Fortsätzen; déndron ist das griechische Wort für Baum.

Entdeckt hat sie Ralph Steinman 1973. Den Nobelpreis bekam er 2011, drei Tage nach seinem Tod; die Nobelversammlung wusste davon nichts. Seit 1974 dürfen Nobelpreise eigentlich nicht an Verstorbene gehen, Steinmans Preis blieb trotzdem bestehen.

Im Lymphknoten zeigt die dendritische Zelle ihre Probe den T-Zellen. Dort warten Abwehrzellen, von denen jede nur zu einem bestimmten Merkmal passt. Geschwollene Lymphknoten bei einem Infekt zeigen, dass dort gerade gearbeitet wird.

Die gezielte Abwehr braucht Tage

Passt eine T-Zelle zur vorgezeigten Probe, beginnt sie sich zu teilen. Killer-T-Zellen beseitigen infizierte oder entartete Zellen direkt, Helfer-T-Zellen stimmen die übrige Abwehr ab. B-Zellen bilden Antikörper, die genau zu einem Merkmal des Erregers passen. Antikörper neutralisieren Erreger und markieren sie für Fresszellen.

Wie schnell der Aufbau geht, wurde an Mäusen genau vermessen. Bei einer Virusinfektion verdoppelten sich die passenden Killer-T-Zellen etwa alle acht Stunden, Helfer-T-Zellen etwa alle elf Stunden. Ihren Höhepunkt erreichte die Antwort um den achten und neunten Tag. Die Folge erklärt damit die Erkältungswoche; eine Erkältung dauert im Mittel 7 bis 10 Tage.

Ganz geht die Rechnung aber nicht auf. Rhinoviren, die häufigsten Erkältungsviren, zerstören die Nasenschleimhaut kaum. Die Beschwerden entstehen zu einem großen Teil durch die Entzündungsreaktion der Abwehr selbst. Der Zeitplan der gezielten Abwehr passt zur Erkältungswoche, erklärt sie aber nur zum Teil.

Das Gedächtnis

Nach einer überstandenen Infektion bleiben Gedächtniszellen zurück. Treffen sie denselben Erreger wieder, fällt die Antwort viel schneller und stärker aus. Deshalb bekommt man manche Krankheiten nur einmal im Leben. Wie lange so ein Gedächtnis hält, zeigen Menschen, die gegen Pocken geimpft wurden: Bei über 90 Prozent war noch 25 bis 75 Jahre später eine deutliche Abwehr messbar.

Die Folge nennt Windpocken als Beispiel. Das stimmt mit einer Einschränkung: Das Virus bleibt nach der Erkrankung im Körper und kann Jahrzehnte später als Gürtelrose zurückkehren.

Eine Impfung legt das Gedächtnis an, ohne dass man die Krankheit erst durchmachen muss. Trifft man den Erreger später, kann die Abwehr sofort reagieren.

Und warum dann trotzdem jedes Jahr ein Schnupfen? Mehr als 200 verschiedene Viren können eine Erkältung auslösen, allein von den Rhinoviren sind über 100 Typen bekannt. Gegen jeden Typ braucht die Abwehr ein eigenes Gedächtnis. In Versuchen steckten sich bis zu 95 Prozent der Menschen an, die gegen den jeweiligen Typ keine Antikörper hatten.

Die Schule im Thymus

T-Zellen reifen im Thymus, einem Organ hinter dem Brustbein über dem Herzen. Dort durchlaufen sie eine strenge Auslese. Die meisten scheiden aus, weil sie mit den körpereigenen Erkennungsmerkmalen gar nichts anfangen können. Wer zu heftig auf Eigenes reagiert, wird ebenfalls aussortiert. Als weitgehend gesichert gilt, dass höchstens 5 Prozent der jungen T-Zellen beide Prüfungen bestehen.

Voll ausgebildet ist der Thymus nur bei Kindern. Er schrumpft schon früh, nicht erst mit der Pubertät: Nach einem raschen Rückgang in der Kindheit verliert er bis ins mittlere Alter etwa 3 Prozent seines Gewebes pro Jahr, danach etwa 1 Prozent. Ab dem Jugendalter wird er nach und nach in Fettgewebe umgewandelt.

Bei Erwachsenen erhält sich der Vorrat an unerfahrenen T-Zellen dann vor allem durch Teilung vorhandener Zellen. Im Alter wird die Auswahl kleiner; das gilt als ein Grund, warum ältere Menschen anfälliger für Infektionen sind.

Wenn die Abwehr sich irrt

Versagt die Unterscheidung von eigen und fremd, greift die Abwehr gesundes Gewebe an. Je nach Ziel entstehen verschiedene Autoimmunerkrankungen, etwa an der Schilddrüse, an den Gelenken, an den Hüllen der Nervenfasern oder an den insulinbildenden Zellen. Die Ursachen sind vielschichtig: Veranlagung und Umweltfaktoren wirken zusammen. Selbst bei eineiigen Zwillingen erkranken je nach Krankheit nur in 12 bis 67 Prozent der Fälle beide.

Der zweite Irrtum betrifft Harmloses von außen. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf Stoffe wie Pollen oder bestimmte Nahrungsmittel. In Industrieländern betrifft das etwa jeden vierten Menschen.

Gegen solche Fehlalarme hat der Körper eine Bremse. Shimon Sakaguchi beschrieb 1995 eine Gruppe von T-Zellen, die andere Abwehrzellen in Schach hält: Fehlten sie, entwickelten Mäuse Autoimmunerkrankungen in vielen Organen. Viele Forschende blieben zunächst skeptisch. 2001 fanden Mary Brunkow und Fred Ramsdell das Gen Foxp3, das die Entwicklung dieser regulatorischen T-Zellen steuert. Mutationen darin verursachen beim Menschen das seltene IPEX-Syndrom, bei dem die Abwehr mehrere Organe zugleich angreift. 2025 bekamen die drei dafür den Nobelpreis für Medizin.

Fünf Aussagen aus der Folge geprüft

„Fieber ist keine Fehlfunktion. Fieber ist eine Entscheidung.“

Stimmt. Botenstoffe der Abwehr stellen im Hypothalamus den Sollwert höher.

„Ungefähr alle acht Stunden verdoppelt sich eine T-Zelle.“

Gemessen wurde das an Killer-T-Zellen von Mäusen. Der Höhepunkt kam dort um den achten Tag.

„Das ist ein Hauptgrund, warum eine Erkältung ungefähr eine Woche dauert.“

Teilweise. Der Zeitplan passt, die Beschwerden entstehen aber zu einem großen Teil durch die Entzündungsreaktion.

„Manche Krankheiten bekommst du nur einmal im Leben. Windpocken zum Beispiel.“

Meist ja. Das Virus bleibt aber im Körper und kann als Gürtelrose zurückkehren.

„330 Milliarden neue Zellen am Tag, fast dreimal so viele, wie je Menschen gelebt haben.“

Stimmt. Nach einer Berechnung des Weizmann-Instituts erneuert der Körper täglich rund 330 Milliarden Zellen, knapp 90 Prozent davon Blutzellen. Geboren wurden bisher schätzungsweise 117 Milliarden Menschen.

Was das bei Fieber heißt

Fieber ist meist eine sinnvolle Reaktion. Aushalten muss man es trotzdem nicht, und harmlos ist es nicht immer. Die Hinweise sind Orientierung und ersetzen keine ärztliche Einschätzung.

Worauf du achten kannst

Schonen und trinken

Ruhe und ausreichend Flüssigkeit helfen. Fiebersenkende Mittel wie Paracetamol oder Ibuprofen sind für Erwachsene eine Option, wenn man sich unwohl fühlt. Bei Kindern rät die britische Leitlinie NICE davon ab, sie nur zum Senken der Temperatur zu geben; sinnvoll sind sie, wenn das Kind sichtlich leidet.

Babys immer vorstellen

Bei Babys unter drei Monaten gilt schon eine Temperatur ab 38,0 Grad als Fieber. Sie sollten dann ärztlich untersucht werden.

Warnzeichen kennen

Ärztlichen Rat braucht es, wenn Fieber trotz Schonung nicht besser oder schlimmer wird. Bei Kindern nennt das IQWiG außerdem Fieber, das länger als drei Tage anhält, Atemnot, einen steifen Nacken, starke Teilnahmslosigkeit, einen Hautausschlag, der sich mit einem Glas nicht wegdrücken lässt, und ein Kind, das nicht mehr trinkt. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall die 112.

Wer vermutet, dass eine Autoimmunerkrankung oder eine Allergie hinter anhaltenden Beschwerden steckt, sollte das ärztlich abklären lassen. Welche Impfungen für dich sinnvoll sind, besprichst du am besten in deiner Hausarztpraxis.

VertiefenKörpersignale: Wann Hinschauen wichtiger wird

Quellen & redaktioneller Stand

Vividenz verlinkt die Grundlagen direkt. Die Auswahl priorisiert öffentliche Fachinstitutionen, Übersichtsarbeiten und die Studien, auf die sich die Folge stützt. Alle Links wurden am 25. September 2026 geprüft.

Sender, Fuchs & Milo · Revised estimates for the number of human and bacteria cells in the bodyRund 30 Billionen menschliche Zellen im Körper eines Referenzmenschen.Sender et al. · The total mass, number, and distribution of immune cells in the human bodyEtwa 1,8 Billionen Immunzellen mit zusammen rund 1,2 Kilogramm; Makrophagen in fast allen Geweben.IQWiG · Das angeborene und das erworbene ImmunsystemFresszellen, natürliche Killerzellen und das Abwehr-Gedächtnis, allgemein verständlich erklärt.Janeway & Medzhitov · Innate immune recognitionWie die angeborene Abwehr typische Muster von Erregern erkennt.Summers et al. · Neutrophil kinetics in health and diseaseDas Knochenmark bildet täglich 50 bis 100 Milliarden Neutrophile.IQWiG · Wie wird die Körpertemperatur geregelt und was ist Fieber?Der Hypothalamus stellt bei Fieber einen höheren Wert ein; ab welcher Temperatur man von Fieber spricht.Evans, Repasky & Fisher · Fever and the thermal regulation of immunity: the immune system feels the heatBotenstoffe im Hypothalamus, 10 bis 12,5 Prozent mehr Energie pro Grad, Wirkung auf Erreger und Abwehrzellen.Eccles · Understanding the symptoms of the common cold and influenzaWelche Beschwerden Botenstoffe der Abwehr erklären, etwa Appetitlosigkeit und Gliederschmerzen.Dantzer et al. · From inflammation to sickness and depressionBotenstoffe der Abwehr wirken auf das Gehirn und lösen Krankheitsverhalten aus.Worbs, Hammerschmidt & Förster · Dendritic cell migration in health and diseaseWie dendritische Zellen aus Haut, Darm und Lunge in die Lymphknoten wandern.Nobelpreis · Ralph M. 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