Ob Brot, Ei oder Linsen: Dein Körper übernimmt nichts davon unverändert. Er zerlegt die Nahrung in kleine Bausteine und baut daraus eigene Strukturen oder gewinnt Energie. Fast alles, was dabei Energie liefert, gehört zu drei Gruppen: Protein, Fett und Kohlenhydrate. Fachleute nennen sie Makronährstoffe.
Das Wichtigste zuerst
- Protein liefert Aminosäuren für Enzyme, Antikörper, Transportmoleküle und Zellstrukturen. Neun Aminosäuren gelten als unentbehrlich. Fehlt Protein über längere Zeit, baut der Körper Muskelprotein ab, um wichtigere Aufgaben zu versorgen.
- Fett ist Baustoff für Zellmembranen und Träger der fettlöslichen Vitamine. Zwei Fettsäuren kann der Körper nicht selbst herstellen: Linolsäure und α-Linolensäure.
- Kohlenhydrate sind vor allem Energielieferanten. Glukose kann der Körper bei Bedarf selbst bilden. Trotzdem empfehlen DGE und EFSA, rund die Hälfte der Energie aus Kohlenhydraten zu beziehen, am besten aus ballaststoffreichen Lebensmitteln.
- „Unentbehrlich“ heißt nur, dass etwas über die Nahrung kommen muss. Es ist keine Rangliste für gesundes Essen. Über das Körperfett entscheidet auf Dauer vor allem die Energiebilanz.
Vom Teller zum Baustein
Nahrung ist für den Körper zunächst fremdes Material. Verdauungsenzyme spalten sie in Einheiten, die der Darm aufnehmen kann: Protein in Aminosäuren und kleine Peptide, Fett vor allem in Fettsäuren, verdauliche Kohlenhydrate in Einfachzucker wie Glukose, Fruktose und Galaktose.
Diese Bausteine tragen kein Herkunftsetikett mehr. Ob eine Aminosäure aus Linsen oder aus Käse stammt, spielt für die Zelle keine Rolle. Sie baut daraus eigene Strukturen, nutzt sie als Brennstoff oder legt Reserven an. Ballaststoffe sind die Ausnahme: Sie bleiben weitgehend unverdaut und wandern weiter in den Dickdarm.
Enzyme spalten Protein, Fett und verdauliche Kohlenhydrate in kleine Bausteine.
Aminosäuren, Fettsäuren und Einfachzucker gelangen über die Darmwand in den Körper.
Zellen setzen daraus eigene Strukturen zusammen oder gewinnen Energie.
Protein: Baustoff und Werkzeug
Muskeln sind nur ein Teil der Geschichte. Aus Aminosäuren entstehen Enzyme, die fast jede chemische Reaktion im Körper beschleunigen, Antikörper des Immunsystems, Transportproteine im Blut und Strukturen in praktisch jeder Zelle. Die DGE beschreibt Nahrungsprotein als Quelle unentbehrlicher Aminosäuren und von Stickstoff für den Aufbau körpereigener Proteine.
Einen eigenen Proteinspeicher wie beim Fett gibt es nicht. Fehlt über längere Zeit Protein, senkt der Körper laut DGE zuerst die Stickstoffausscheidung und baut dann Protein aus der eigenen Muskulatur ab. Die Muskulatur ist die wichtigste Aminosäurereserve des Körpers: Aus ihr werden lebenswichtige Gewebe und Organe versorgt, wenn über den Darm nichts nachkommt.
Das ist der wahre Kern des Satzes, der Körper „esse sich selbst“: Er gibt Muskelmasse auf, um wichtigere Aufgaben am Laufen zu halten. Für gesunde Erwachsene von 19 bis unter 65 Jahren nennt die DGE 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, ab 65 Jahren 1,0 Gramm als Schätzwert. Mehr ist nicht automatisch besser. Was Training, Alter und Erkrankungen daran ändern, steht im Artikel über Proteine.
Fett: Hülle, Signalstoff, Energiespeicher
Jede Zelle ist von einer Membran umgeben, deren Grundgerüst aus Fettbausteinen besteht. Fett transportiert außerdem die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K und ist der größte Energiespeicher des Körpers. Die DGE nennt als Richtwert für Erwachsene rund 30 Prozent der Energie aus Fett, bei körperlich sehr aktiven Menschen etwas mehr.
Zwei Fettsäuren kann der Körper nicht selbst bilden: die Omega-6-Fettsäure Linolsäure und die Omega-3-Fettsäure α-Linolensäure. Für sie nennt die DGE 2,5 beziehungsweise 0,5 Prozent der Energiezufuhr.
Cholesterin braucht der Körper für Hormone, Vitamin D und Gallensäuren, die bei der Verdauung helfen. Er kann alles Cholesterin, das er braucht, selbst herstellen. Egal ist Cholesterin deshalb nicht: Ein hoher LDL-Cholesterinspiegel im Blut fördert Ablagerungen in den Arterien. Die Europäische Atherosklerose-Gesellschaft stuft LDL nach Auswertung genetischer, epidemiologischer und klinischer Studien als Ursache atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein.
Bei Fett zählt deshalb vor allem die Art. Die WHO empfiehlt, höchstens 10 Prozent der Energie aus gesättigten Fettsäuren und höchstens 1 Prozent aus Transfetten aufzunehmen. Gesättigte Fette stecken etwa in fettem Fleisch, Butter, Sahne, Käse sowie Palm- und Kokosfett. Als bessere Wahl nennt die WHO ungesättigte Fette aus Fisch, Avocado, Nüssen und Ölen wie Raps-, Oliven-, Sonnenblumen- oder Sojaöl. In einer Cochrane-Übersicht ging weniger gesättigtes Fett über mindestens zwei Jahre mit 17 Prozent weniger Herz-Kreislauf-Ereignissen einher; auf die Gesamtsterblichkeit zeigte sich kaum ein Effekt.
Fett ist kein Feind. Welche Fette du isst, zählt dabei genauso wie die Menge.
Kohlenhydrate: Treibstoff mit Spielraum
Verdauliche Kohlenhydrate kommen als Einfachzucker im Blut an. Glukose ist der wichtigste Brennstoff, besonders für das Gehirn und für arbeitende Muskeln. Fruktose nimmt einen anderen Weg: Sie wird fast vollständig von der Leber aufgenommen und dort zu Glukose, Glykogen, Laktat oder Fett umgebaut.
Einen Teil der Glukose speichert der Körper als Glykogen, vor allem in Leber und Skelettmuskulatur. Die Leber gibt daraus in Essenspausen Glukose ins Blut ab. Der Muskel nutzt seinen Vorrat vor allem selbst, wenn er arbeitet.
Bei Bewegung wandern in den Muskelzellen Transporter für Glukose, sogenannte GLUT4-Transporter, an die Zelloberfläche. Arbeitende Muskeln nehmen dadurch mehr Glukose auf, und regelmäßiges Training erhöht die Zahl dieser Transporter. Im Video steht dafür das Bild vom Benzin, das einen laufenden Motor braucht.
Auch Ballaststoffe zählen zu den Kohlenhydraten, bleiben aber weitgehend unverdaut. Die DGE empfiehlt Erwachsenen mindestens 30 Gramm am Tag. Eine höhere Zufuhr wird unter anderem mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht.
Die Rangordnung 9 · 2 · 0 richtig lesen
In der Folge stehen die drei Bausteine auf einem Siegertreppchen. Die Reihenfolge folgt einer einzigen Frage: Wie viele ihrer Bestandteile kann der Körper nicht selbst herstellen?
Was der Körper nicht selbst herstellen kann
Histidin, Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan und Valin
Linolsäure (Omega-6) und α-Linolensäure (Omega-3)
Glukose kann der Körper bei Bedarf selbst bilden
Ganz einheitlich wird nicht gezählt: Die DGE führt acht Aminosäuren für alle Altersgruppen als unentbehrlich und Histidin ausdrücklich für Säuglinge, die US-Nationalbibliothek für Medizin zählt neun. Bei den Kohlenhydraten ist der absolute Bedarf laut EFSA nicht genau bekannt und hängt davon ab, wie viel Fett und Protein jemand isst. Die Bausteine für selbst gebildete Glukose liefert unter anderem der Muskel.
Die Null heißt trotzdem nicht, dass Kohlenhydrate überflüssig wären. Rund 130 Gramm am Tag reichen laut EFSA, um den Glukosebedarf des Gehirns zu decken. Als Referenzbereich empfiehlt die EFSA 45 bis 60 Prozent der Energie aus Kohlenhydraten, die DGE mehr als 50 Prozent.
Unentbehrlich heißt: muss von außen kommen. Es heißt nicht: wichtiger, gesünder oder mehr davon.
Drei Aussagen geprüft
Über das Körperfett entscheidet auf Dauer vor allem die Energiebilanz. In einer Metaanalyse von 32 kontrollierten Fütterungsstudien mit gleicher Kalorienmenge verloren Teilnehmende mit fettärmerer Kost sogar etwas mehr Körperfett als mit kohlenhydratärmerer, im Schnitt 16 Gramm pro Tag. Zuckerhaltige Getränke machen es allerdings leicht, mehr Energie aufzunehmen, als man verbraucht.
Richtig ist: Die US-Ernährungsrichtlinien nennen keine feste Obergrenze mehr. Die American Heart Association betont aber, dass eine Zufuhr über dem heutigen Durchschnitt meist mit höherem LDL-Cholesterin einhergeht, und empfiehlt Ernährungsmuster, die von Natur aus eher wenig Cholesterin enthalten.
Die WHO sieht es umgekehrt: Butter gehört zu den Quellen gesättigter Fette, die begrenzt werden sollten. Raps-, Oliven-, Sonnenblumen- und Sojaöl nennt sie als bessere Wahl. Butter muss nicht vom Tisch, sie ist aber nicht die gesündere Fettquelle.
Was das im Alltag heißt
Keiner der drei Bausteine ist Feind oder Wundermittel. Hilfreicher als eine Rangliste ist die Frage, woher die Bausteine kommen. Die Beispiele sind Orientierung, kein Ernährungsplan.
Gute Quellen auf einen Blick
Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Fisch, Eier, Tofu oder Fleisch. Vielfalt über den Tag hilft mehr als eine einzelne Quelle; die passende Menge hängt von Alter und Gesundheit ab.
Raps- und Olivenöl, Nüsse, Samen und fetter Seefisch. Gesättigte Fette begrenzen, Transfette meiden.
Vollkorn, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst und Kartoffeln. Sie bringen Ballaststoffe mit; Zucker und süße Getränke eher begrenzen.
Bewegung verändert, was der Körper aus den Bausteinen macht: Arbeitende Muskeln nehmen mehr Glukose auf, und Training setzt den Reiz, damit Protein in Muskelgewebe eingebaut wird. Bei Diabetes, Nieren- oder Fettstoffwechselerkrankungen gehören Mengen und Auswahl in ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung.
Quellen & redaktioneller Stand
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